COSMIC COUNTERREADINGS Samstag
mit Margarita Athanasiou, Frances Breden, Celica Fitz, Emily Hunt, & Isis Mrugalla-Kalmbacher
2. Mai 26, 15.00–20.00 Uhr
COSMIC COUNTERREADINGS begleiten die Ausstellung COSMIC GIRLBOSS durch kritische und kollektive Praktiken des Gegenlesens. Künstlerische und wissenschaftliche Impulse wechseln sich in Untersuchungen zu Magie, Gender und spirituellem Unternehmertum ab. Rund um die Walpurgisnacht lesen Forscher*innen und performen Künstler*innen gegen alte Narrative an – wieder lesen, widerlegen, gegenerzählen.
SAMSTAG TAGESABLAUF
15 Uhr Begrüßung: Kartenlegen und Podium, gehostet von Frances Breden mit Gästen
16:30 Vortrag: Bewitching Art and Academia? Hexen* als epistemischer Twist von Celica Fitz
17 Uhr Führung durch Salesforce Childs Video Installation im Keller mit Frances Breden
17:30 Diskussion: Occulture als „Girlboss“? Wenn Okkultismus auf Kunst, Gesellschaft und Wissenschaft trifft mit Emily Hunt und Isis Mrugalla-Kalmbacher
19 Uhr Performance: Von Quecksilber zu Schwefel – Ein Talk über Liebe, Alchemie und Faschismus von Margarita Athanasiou
BARRIEREABBAU
Dieser Tag wird auf englischer Lautsprache stattfinden. Es wird eine englische Live-Transkription geben, die man mitlesen kann. Salesforce Childs Videoinstallation ist nur durch eine Treppe zugänglich. Weitere Infos zur Zugänglichkeit sind auf unserer Über-Uns-Seite zu finden.
BESCHREIBUNGEN DER INPUTS
Kartenlegen und Podium, gehostet von Frances Breden
Zum Auftakt des Wochenend-Programms befragen wir die Karten: Wie steht es um die Redner*innen und Publikum an diesem Mai-Wochenende, an dem der Eintritt Merkurs in den Stier und eine spannungsvolle Konstellation zwischen Mars und Jupiter, sachliche Kommunikation und finanzielle Stabilität verspricht? Und in welcher Konstellation befinden sich Forscher*innen, Künstler*innen und Gäst*innen heute hier im Raum? Frances Breden legt Tarotkarten für die Beteiligten von COSMIC COUNTERREADINGS und eröffnet den vielschichtigen Dialog zwischen Magie, Kunst und Wissenschaft.
Bewitching Art and Academia? Hexen* als epistemischer Twist von Celica Fitz
Rückwärts, faltig, schrill, verdreht: Normative Ordnungen umkehrend, wurden die ästhetischen Positionierungen mächtiger, magischer Figuren in künstlerischen Praktiken reproduziert oder dekonstruiert. Der Impuls liest Relationen von Gegenwartskunst und Magie fasziniert und kritisch gegen. Dabei gelten magische Praktiken oft als subversive Tools: Zwischen gelebter Praxis und responsivem Spiel, Geschlechterrollen überschreitend, holistische Erfahrungen vertiefend, oder als Gegenzauber zu Patriarchat und Kapitalismus eignen sie sich Kräfte zur Revolte an. Hexe* ist dabei historisch fragil und definitorisch widerständig. Sie entfaltet überwältigende Kräfte, Narrative zu drehen, mit nicht-linearen Referenzen zeitspringend zu verweben und subversive Wendungen wirken zu lassen. Wie wurde diese mächtige Figur vom frühneuzeitlichen Strafbestand zu einem epistemischen Tool, mit dem moderne Wissensproduktion hinterfragt wird? Systematisierungen vermeidend, stellt der Impuls Lesarten von Magie in den Künsten vor, die sich als widerständige Praxen in Museen und Akademien einhaken.
Führung durch Salesforce Childs Video Installation im Keller mit Frances Breden
Eine Führung durch die düstere Unterwelt von Salesforce Childs Videoinstallation „Wellness is not Possible“.
Occulture als „Girlboss“? Wenn Okkultismus auf Kunst, Gesellschaft und Wissenschaft trifft mit Emily Hunt und Isis Mrugalla-Kalmbacher
Okkultismus in der Gesellschaft wurde von Künstler*innen, Religionswissenschaftler*innen und Magier*innen gleichermaßen erforscht. Sie haben okkulte Kunst geschaffen, magische Populärkultur analysiert und selbst Formen popkultureller Magie praktiziert. In diesem Beitrag gibt die Forscherin Isis Mrugalla-Kalmbacher Einblicke in die Geschichte und verschiedenen Bedeutungen des Begriffs und in ihre Feldforschung zur Chaosmagie (ein internationaler gegenwärtiger Magie-Stil) und zeitgenössischen Esoterik. Isis Mrugalla-Kalmbacher spricht mit der Künstlerin Emily Hunt darüber, wie sich deren Werk anhand des Konzepts der „Occulture“ verstehen lässt, wie sie das Verhältnis zwischen Okkultismus und sozialer Verantwortung wahrnimmt und welche analytischen Perspektiven sie in Bezug auf Magie und Esoterik einnimmt. Darüber hinaus werden queer-feministische Perspektiven auf die „Occulture“ und auf Hunts Werk diskutiert.
Von Quecksilber zu Schwefel – Ein Talk über Liebe, Alchemie und Faschismus von Margarita Athanasiou
Ein Vortrag mit Performance der Künstlerin Athanasiou über ihre Installationen in der Galerie im Turm. Athanasiou beleuchtet aus einer fantastisch-historischen Perspektive die Beziehung zwischen Faschismus, Okkultismus und dem Internet, betrachtet durch die Praxis der Alchemie.
BIOGRAFIEN
Margarita Athanasiou ist eine Künstlerin und Organisatorin mit Sitz in Athen, Griechenland. Ihre Arbeit ist textbasiert, nutzt Collagetechniken und verbindet Autobiografie und Geschichte, um vielschichtige Erzählungen in Form von Publikationen, Videoessays, Drucken, Memes und digitalen Bildern zu schaffen.
Frances Breden ist Kuratorin und Künstlerin, die sich der gemeinschaftsbasierten und kollektiven Kunstproduktion im digitalen und realen Raum widmet. Seit 2014 ist sie Teil des queeren feministischen Kunstkollektivs COVEN BERLIN und Gründungsmitglied der Sickness Affinity Group. Von 2024 bis 2026 ist Breden Kuratorin bei der Galerie im Turm.
Celica Fitz ist Kunsthistorikerin und Religionswissenschaftlerin. Sie erforscht ästhetische Praktiken zwischen Kunst und Wissen und bringt sie als Kuratorin in neue Relationen. Sie entwickelt kollaborative Ansätze forschungsbasierter Ausstellungen und Diskursformate. Celica forscht im Bereich Museologie und Kunstgeschichte an der Université de Neuchâtel und in Religionswissenschaft an der Universität Marburg und arbeitet für das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt/M und in Berlin. Sie ist Mitglied der ENCHANTED EPISTEMES.
Emily Hunts künstlerische Praxis setzt sich kritisch mit der historischen und kulturellen Bedeutung von Ornamenten, magischen Praktiken und grotesken Bildern als Mittel der Subversion und Transgression auseinander. Ihre aktuelle Forschung konzentriert sich auf die Printmedien der Renaissance, insbesondere auf die okkulte Philosophie dieser Zeit und den Archetyp der Hexe, wie er in der Druckkultur der Renaissance dargestellt wird.
Isis Mrugalla-Kalmbacher, M.A., ist Religionswissenschaftlerin mit einem Schwerpunkt auf zeitgenössischer Esoterik, Ritual- und Spielpraktiken, insbesondere der gegenwärtigen Magie-Szene und Chaosmagie und ihren sozialen Strukturen und Organisationsprozesse an den Schnittstellen von Religion, Gesellschaft und Wissensproduktion. Sie lehrt und forscht am Institut für Religionswissenschaft der Universität Tübingen und arbeitet als Wissenschaftskommunikatorin und Organisationsentwicklerin. Sie ist Vorstandsmitglied von REMID e.V. und initiiert Projekte, die Forschung mit öffentlichen Debatten und kulturellen Praktiken verbinden. Sie ist Mitglied der ENCHANTED EPISTEMES.
In Summer Emerald/Salesforce Childs Gemälden, Videos, Performances, Texten, Zeichnungen und Social-Media-Beiträgen bedient sich Summer Emerald/Salesforce Child einer eigenwilligen, aber sofort erkennbaren Mischung aus Unternehmenssprache und religiöser Sprache. Ihre Arbeiten spiegeln das semiotische Chaos zeitgenössischer Systeme wider und vermitteln das Gefühl, dass das, was wir aufgebaut haben, uns hinter sich lässt.
Die COSMIC COUNTERREADINGS sind mitveranstaltet von der Forscher*innen-Gruppe ENCHANTED EPISTEMES, vertreten durch Celica Fitz.
Spiritualität, Esoterik und Magie sind gängige Begriffe, die häufig verwendet werden, um nicht-hegemoniale Erkenntnistheorien zu subsumieren. Dieses Kollektiv von Forscher*innen entwickelt das Konzept der „Enchanted Epistemes“ als Instrument zur Untersuchung aktueller Formen des Wissens und der Weltgestaltung in Gruppenritualen, Heilpraktiken, digitalen Räumen und der materiellen Kultur, der zeitgenössischen Kunst sowie deren Schnittstellen mit der Wissenschaft.
Durch die Untersuchung solcher zeitgenössischer Formen und Prozesse performativer (Re-)Verzauberung versuchen die ENCHANTED EPISTEMES, theoretische und methodologische Ansätze aus der Ästhetik der Religion und der materiellen Religion, der Religions- und Wissenssoziologie, der Religionsgeschichte und der Gender Studies miteinander zu verbinden. Ziel der Forscher*innen-Gruppe ist es, den Begriff „Enchanted Epistemes“ gemeinsam als Instrument zur Erforschung zeitgenössischer spiritueller Praktiken und der Ästhetik des Wissens zu entwickeln.
Informationen zum Walpurgisnachtsprogramm (30.04.)
Informationen zum Sonntagsprogramm (03.05.)
Gefördert durch den Fonds Präsentation zeitgenössischer Kunst in Berlin der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt.