COSMIC COUNTERREADINGS Sonntag

mit Wassim Z. Alsindi, Frances Breden, Celica Fitz, Marita Günther & Henriette Hanky

3. Mai 26, 15.00–19.00 Uhr

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COSMIC COUNTERREADINGS begleiten die Ausstellung COSMIC GIRLBOSS durch kritische und kollektive Praktiken des Gegenlesens. Künstlerische und wissenschaftliche Impulse wechseln sich in Untersuchungen zu Magie, Gender und spirituellem Unternehmertum ab. Rund um die Walpurgisnacht lesen Forscher*innen und performen Künstler*innen gegen alte Narrative an – wieder lesen, widerlegen, gegenerzählen.

 

SONNTAG TAGESABLAUF

15 Uhr Führung durch die Ausstellung mit Frances Breden und Celica Fitz (EN)

16:30 Vortrag: Witchy Tarot and Monk Mode: Postdigitale Spiritualität zwischen Ökonomisierung und Selbstermächtigung von Marita Günther & Henriette Hanky (DE)

18 Uhr Performance: Technofeudalisms Kartenlegung von Wassim Z. Alsindi (EN)

19 Uhr Ausklang: Getränke und Diskussion

 

BARRIEREABBAU

Der erste und der dritte Input werden auf englischer Lautsprache gehalten. Der zweite Input wird auf deutscher Lautsprache gehalten. Es wird eine schriftliche Simultanübersetzung angeboten, sodass der gesamte Tag in beiden Sprachen zugänglich ist. Weitere Infos zur Zugänglichkeit sind auf unserer Über-Uns-Seite zu finden.

 

BESCHREIBUNGEN DER INPUTS

Führung durch die Ausstellung mit Frances Breden und Celica Fitz

Eine Führung durch die aktuelle Gruppenausstellung in der Galerie im Turm, COSMIC GIRBLOSS, mit Inputs von der Kuratorin und Künstler*innen.

 

Witchy Tarot and Monk Mode: Postdigitale Spiritualität zwischen Ökonomisierung und Selbstermächtigung von Marita Günther & Henriette Hanky

Welche Geschlechtervorstellungen transportieren Hexen, Göttinnen, Tarot und Astrologie auf sozialen Medien wie Instagram und TikTok? Und in welchem Verhältnis stehen diese Phänomene zu digitalem Content rund um Maskulinität und Selbstdisziplin, “Sigma-Männer” und “monk mode”? Die Digitalisierung aller gesellschaftlichen Bereiche beeinflusst auch Praktiken individualisierter Sinnsuche. In den sozialen Medien vermitteln Influencer*innen spirituelle Konzepte, Dienstleistungen und Produkte und bauen eigene ‚Communities‘ auf. Dabei stellt sich einerseits die Frage, wie etablierte spirituelle Praktiken und Körpererfahrungen digital vermittelt werden, und andererseits, wie die Medienlogiken digitaler, algorithmengesteuerter Plattformen kulturelle Trends und Geschlechternormen mitformen. Digitale Angebote im Bereich von Spiritualitäten, Wellness und Coaching bewegen sich in einem Spannungsfeld von zunehmender Ökonomisierung, der Einpassung in Self-Tracking-Praktiken und Selbstoptimierungsanforderungen sowie möglichen emanzipativen Potentialen. In diesem Panel diskutieren die Religionswissenschaftlerinnen Marita Günther und Henriette Hanky kulturelle, ökonomische und technologische Aspekte post-digitaler Spiritualität. Das Gespräch lädt dazu ein, digital vermittelte Spiritualität nicht nur als Lifestyle-Phänomen, sondern als kulturelles Aushandlungsfeld von Geschlecht, Körper und Ökonomie zu verstehen.

 

Technofeudalisms Kartenlegung von Wassim Z. Alsindi

Wassim Z. Alsindi wird eine Kartenlegung mit seinem Orakel- und Rollenspielkartendeck FAU0X SALON durchführen. Das Kartendeck wurde gemeinsam mit dem 0xSalon in Berlin entwickelt, einem Kollektiv, das digitale Kultur durch Diskussionsveranstaltungen und Residencies kritisch hinterfragt. Alsindis Kartenlegungen verbinden die Bildsprachen mittelalterlicher Esoterik und KI-generierten Surrealismus und helfen uns dabei, unsere eigenen „Prophet Motives“ zu hinterfragen. Die Karten sind chaotische, stochastische Gesprächsmoderator*innen, die die Handlungsmacht vom Menschen weg verlagern und das Vertrauen in Zufälle und Dissonanz setzen.

 

 

BIOGRAFIEN

Wassim Z. Alsindi bewegt sich an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen und dokumentiert Visionen, Entwürfe und Auswirkungen zeitgenössischer Technologien über Kontexte und Wissensbereiche hinweg. Er hat in der Ultrafast-Physik promoviert, war Mitbegründer der MIT-Fachzeitschrift „Cryptoeconomic Systems“ und ist in über 30 Ländern aufgetreten, hat Vorträge gehalten und ausgestellt.

Frances Breden ist Kuratorin und Künstlerin, die sich der gemeinschaftsbasierten und kollektiven Kunstproduktion im digitalen und realen Raum widmet. Seit 2014 ist sie Teil des queeren feministischen Kunstkollektivs COVEN BERLIN und Gründungsmitglied der Sickness Affinity Group. Von 2024 bis 2026 is Breden Kuratorin bei der Galerie im Turm.

Celica Fitz ist Kunsthistorikerin und Religionswissenschaftlerin. Sie erforscht ästhetische Praktiken zwischen Kunst und Wissen und bringt sie als Kuratorin in neue Relationen. Sie entwickelt kollaborative Ansätze forschungsbasierter Ausstellungen und Diskursformate. Celica forscht im Bereich Museologie und Kunstgeschichte an der Université de Neuchâtel und in Religionswissenschaft an der Universität Marburg und arbeitet für das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt/M und in Berlin. Sie ist Mitglied der ENCHANTED EPISTEMES.

Marita Günther ist Dozentin für religions- und kulturwissenschaftliche Seminare an der Universität Marburg und den Hochschulen Merseburg und Villingen-Schwenningen. Sie lehrt und arbeitet zu rezenter Spiritualität mit Blick auf Geschlecht, Körper und Digitalität. In ihrer Dissertation in Marburg erforschte sie feministische Spiritualitäten und Wissenssysteme. Sie entwickelt akademische und künstlerische Diskursformate z.B. in der Religionskundlichen Sammlung, Kunstmuseum Marburg oder Bärenzwinger Berlin mit Celica Fitz. Sie ist Mitglied der ENCHANTED EPISTEMES.

Henriette Hanky, PhD, ist Senior Lecturer im Fach Religionswissenschaft an den Universitäten Stavanger und Bergen, Norwegen. 2024 wurde sie mit einer ethnografischen Dissertation über zeitgenössische Formen der Osho/Sannyas-Bewegung in Skandinavien, Deutschland und Indien an der Universität Bergen promoviert. Sie erforscht historische und zeitgenössische Guru- und Meditationsbewegungen, zeitgenössische Formen von Religion und Spiritualität in Europa und Indien, populäre Religion und therapeutische Kultur, Mediatisierung und verkörperte Religion. Sie ist Mitglied der ENCHANTED EPISTEMES.

 

 

Die COSMIC COUNTERREADINGS sind mitveranstaltet von der Forscher*innen-Gruppe ENCHANTED EPISTEMES, vertreten durch Celica Fitz.

Spiritualität, Esoterik und Magie sind gängige Begriffe, die häufig verwendet werden, um nicht-hegemoniale Erkenntnistheorien zu subsumieren. Dieses Kollektiv von Forscher*innen entwickelt das Konzept der „Enchanted Epistemes“ als Instrument zur Untersuchung aktueller Formen des Wissens und der Weltgestaltung in Gruppenritualen, Heilpraktiken, digitalen Räumen und der materiellen Kultur, der zeitgenössischen Kunst sowie deren Schnittstellen mit der Wissenschaft.

Durch die Untersuchung solcher zeitgenössischer Formen und Prozesse performativer (Re-)Verzauberung versuchen die ENCHANTED EPISTEMES, theoretische und methodologische Ansätze aus der Ästhetik der Religion und der materiellen Religion, der Religions- und Wissenssoziologie, der Religionsgeschichte und der Gender Studies miteinander zu verbinden. Ziel der Forscher*innen-Gruppe ist es, den Begriff „Enchanted Epistemes“ gemeinsam als Instrument zur Erforschung zeitgenössischer spiritueller Praktiken und der Ästhetik des Wissens zu entwickeln.

Walpurgisnachtsprogramm (30.04.)

Samstagsprogramm (02.05.)

 

 

Gefördert durch den Fonds Präsentation zeitgenössischer Kunst in Berlin der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

 

Wassim Z. Alsindi, Bild von Shivani Hassard
Celica Fitz, Bild von Philipp Hennch
Henriette Hanky
Marita Günther