[The Fleas of] The Elephant in the Room
mit Daniela Medina Poch
18. Juni 26, 18.00–19.30 Uhr
Erzählspaziergang
Erzählspaziergang mit Daniela Medina Poch
Auf gesprochenem Englisch
Nur wenige wissen, dass Flöhe bei Elefanten ganz gewöhnliche Mitbewohner*innen sind. Sie ernähren sich von ihrer Haut und kitzeln sie, sodass die Elefanten beginnen, sich mit ihrem langen Rüssel zu kratzen. Was als typische Rüsselbewegung bekannt ist, geht in Wirklichkeit auf die Flöhe zurück, ein Zusammenhang, der kaum jemandem bewusst ist. Ihre winzige Gestalt macht sie unsichtbar, und genau darin liegt ihre Macht. Der Elefant kennt sie dennoch gut, denn er spürt sie. Doch bis zu welchem Grad bestimmen die Flöhe eigentlich seine Bewegungen?
Ebenfalls kaum bekannt ist, dass auf dem scheinbar leeren Bersarinplatz in Friedrichshain um 1932 ein Kolonialmonument geplant war, ein Denkmal zur Verherrlichung jener Soldaten, die für die Ausweitung des deutschen Kolonialreichs gekämpft hatten. Woher sollte man das auch wissen, wenn das Monument gar nicht dort steht, sondern in Bremen? Es hat die Form eines Elefanten, wurde im Laufe der Zeit neu kontextualisiert und trägt eine vielschichtige Geschichte in sich. Der Bersarinplatz selbst wirkt nach wie vor leer, zumindest für das menschliche Auge. Vieles entzieht sich unserem Blick: die Bakterien auf unseren Händen, die Spinnen an der Decke, die Nachrichten oder die Nachbarin von nebenan, die wir – aus welchem Grund auch immer – nicht wahrnehmen wollen oder können.
„Der Elefant im Raum“ bezeichnet etwas, das offensichtlich vorhanden, aber kollektiv beschwiegen wird. [The Fleas of] The Elephant in the Room ([Die Flöhe des] Elefanten im Raum) ist ein vieldeutiger Titel, der auf jene kleinen, verborgenen Kräfte verweist, die im Stillen größere Strukturen formen. Auf diesem Erzählspaziergang erkunden wir das Verhältnis zwischen dem Monumentalen und dem Winzigen, dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, und den unbemerkten Dynamiken, die unsere Wahrnehmung prägen. Dabei fragen wir, wie spekulative Denkwerkzeuge wie die Vorstellungskraft uns helfen können, Welten wahrzunehmen, die jenseits unserer gewohnten Sicht liegen.
Wir laden Sie herzlich ein, an einem Spaziergang von der Galerie im Turm zum Bersarinplatz teilzunehmen. Unterwegs folgen wir drei Erzählfäden rund um das Sichtbare, das Unsichtbare und alles, was dazwischen liegt.
Beginn: 18 Uhr, Galerie im Turm
ÜBER
Daniela Medina Poch (geb. in Bogotá) ist Künstlerin, Forscherin und Pädagogin. Ihre Praxis erkundet situierte, intersektionale und interspezifische Wissensformen durch künstlerische Forschung, Schreiben und Vermittlung. Ihre Arbeiten wurden international in Institutionen und bei Veranstaltungen gezeigt, darunter das MUDAM Luxemburg, die Listening Biennial (Berlin), das CCA Berlin, das Museum für Moderne Kunst Bogotá, SAVVY Contemporary sowie die documenta fifteen (Kassel). 2025 nahm sie an der 12. Kolumbianischen Wissenschaftlichen Antarktisexpedition teil und forschte dort künstlerisch zu Wasserökologien und situiertem Wissen. Sie ist Mitgründerin von Babel Media Art und Gründerin von Embodied Climate Agency. Daniela studierte an der Escola Massana (UAB Barcelona) und schloss einen Master in Art in Context an der Universität der Künste Berlin ab. Derzeit gehört sie zum kuratorischen Team am Gropius Bau in Berlin.