Träumen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley
im Dialog mit Christian Borchert, Jürgen Graetz, Barbara Klemm und Elske Rosenfeld
24. Sep.–8. Nov. 26
Eröffnung: 23. Sep 26, 18 Uhr
Im Rahmen der sechsteiligen Ausstellungsreihe Publik Machen: Zu Arbeit und Wirken des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) bringt die letzte Ausstellung der Reihe zwei außergewöhnliche Künstlerinnen und politische Aktivistinnen zusammen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley. Beide forderten das repressive DDR-System offen heraus und gerieten dafür in Konflikt mit dem Staat und seinen Einrichtungen. Von Annemirl Bauer befindet sich kein Werk im Bestand des ZfK; Bärbel Bohley ist mit drei Grafiken vertreten.
Zu Lebzeiten hatte keine der beiden Künstlerinnen eine Ausstellung in der Galerie im Turm, die ab 1965 an prominenter Stelle als Ausstellungsraum des Verbands Bildender Künstler der DDR (VBK) diente. Die Ausstellung Träumen möchte diese Leerstelle an jenem Ort schließen, der diese beiden bedeutenden Künstlerinnen bewusst ausschloss, und schöpft hierfür aus ihren Nachlässen.
Annemirl Bauer (1939–1989) entwickelte sich früh zu einer kritischen Stimme gegen das dogmatische Kunstsystem der DDR. Ihr malerisches Werk verbindet figurativen Realismus mit expressiver Unmittelbarkeit. Als alleinerziehende Mutter lebte sie prekär, wurde von der Staatssicherheit überwacht und nach ihrer Forderung nach allgemeiner Reisefreiheit 1984 mit einem Berufsverbot durch den Verband Bildender Künstler der DDR (VBK) belegt, das zwei Jahre später auf Druck von Künstlerkolleg:innen aufgehoben wurde. Bauer versuchte durch zahlreiche Briefe, den Ausschluss Bärbel Bohleys aus der Sektionsleitung Malerei/Grafik des VBK im Frühjahr 1983 zu verhindern. Auch ihre Porträts Bohleys zeugen von der gegenseitigen Unterstützung der beiden Frauen.
Engagiert in verschiedenen politischen Bewegungen, darunter Frauen für den Frieden, war Bärbel Bohley (1945–2010) bereits Anfang der 1980er-Jahre Repressionen ausgesetzt, die sich auch in ihren künstlerischen Arbeiten niederschlugen. In ihren Zeichnungen, Druckgrafiken und Malereien richtet sie den Blick auf den einzelnen Menschen, auf persönliche Erfahrung und Eigenständigkeit. Diese Aufmerksamkeit für individuelle Lebenswirklichkeiten prägt auch ihr gesellschaftliches Handeln. 1989, als sich die politische Situation in der DDR zuspitzte, verlagerte sich der Schwerpunkt ihres Wirkens von der Kunst auf die Politik. Als Mitbegründerin des Neuen Forums wurde sie zu einer prägenden Figur der Friedlichen Revolution.
Die Ausstellung Träumen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley nimmt die Galerie im Turm als historischen Ort zum Ausgangspunkt, um die Arbeiten der beiden Künstlerinnen neu in den Blick zu nehmen und ihre Werke zu würdigen.
Erweitert wird die Ausstellung durch Fotografien von Christian Borchert (1942–2000) und Jürgen Graetz (*1943), die Annemirl Bauer in ihrem persönlichen und künstlerischen Umfeld zeigen. Bärbel Bohley wird auf Barbara Klemms (*1939) ikonischer Aufnahme vom 4. November 1989 zwischen Gregor Gysi und Heiner Müller während der großen Demonstration auf dem Alexanderplatz gezeigt, bei der Bohley zu den Redner:innen gehört. In Bohleys Grafik Manchmal ist Kunst abwesend! für die Mappe Silberblick 3 (1989) wird die Abwesenheit von Kunst inmitten des politischen Umbruchs selbst zur Aussage. Elske Rosenfeld (*1974) greift Bohleys Geste 2023 auf und überführt ihre Schriftarbeit in zwei Bilder, ein Positiv und ein Negativ. Damit verschiebt sie die Botschaft der Künstlerin und politischen Aktivistin Bärbel Bohley und macht ihre Ambivalenz erneut sichtbar.
Träumen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley ist Teil der Ausstellungsreihe Publik Machen: Zu Arbeit und Wirken des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR. Publik Machen untersucht in sechs Kapiteln die Arbeit des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR (ZfK), dessen grafischer Sammlungsbestand 1991 an das ifa überging. Das ZfK verband staatliche Kulturpolitik mit internationalem Austausch und eröffnet heute neue Perspektiven auf das Verhältnis von Kunst und Staat. Das Projekt findet in der robotron-Kantine in Dresden sowie an fünf Berliner Ausstellungsorten statt, darunter in der ifa-Galerie, im Schloss Biesdorf, im KVOST – Kunstverein Ost, in der Prater Galerie und in der Galerie im Turm.
Publik Machen: Zu Arbeit und Wirken des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR. Eine Ausstellung des ifa in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung. In Zusammenarbeit mit der robotron-Kantine in Dresden, der ifa-Galerie, Schloss Biesdorf, KVOST – Kunstverein Ost, der Prater Galerie und in der Galerie im Turm.
Die Ausstellungsreihe in Berlin wird vom Hauptstadtkulturfonds (HKF) gefördert.
Begleitprogramm
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Eröffnung "Träumen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley"
Susanne Weiß (ifa) und Sandra Teitge
23. Sep. 26, 18.00–22.00 Uhr
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Bustour "Annemirl Bauer"
in Kooperation mit DAS MINSK mit Amrei Bauer, Elisa R. Linn und Carolin Würfel
26. Sep. 26, 10.00–18.00 Uhr
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Workshop „Public Print Movement goes Publik Machen“
Katharina Marszewski
9. Okt. 26, 15.00–18.00 Uhr
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Tramtour Kunstwoche
Kommunale Galerien Berlin
11. Okt. 26, 14.00–18.00 Uhr
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Finissage "Träumen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley"
mit Amrei Bauer, Angelika Richter, Elske Rosenfeld, Sandra Teitge, Susanne Weiß, Carolin Würfel u. a.
8. Nov. 26, 14.00–19.00 Uhr
Team
Kuration: Sandra Teitge und Susanne Weiß (ifa)
Szenografie: Oeken Schwindling
Aufbauleitung: Carolina Redondo
Aufbau: Alvaro Bezanilla & Joshua Kranke
Grafikdesign: Lamm Kirch, Leipzig/Berlin & Magma Studios Karlsruhe
Assistenz: Philipp Eyselein & Sarah Schurian
Aufsicht: Hassan Elmalik, Daniela Schoepe & Team
Mit Unterstützung von Carlotta Gonindard Liebe & Rahel Jung, Leitung der Galerie im Turm
Publik Machen: Zu Arbeit und Wirken des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR. Eine Ausstellung des ifa in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung. Die Ausstellungsreihe in Berlin wird vom Hauptstadtkulturfonds (HKF) gefördert.