Uglier, Louder, Taller, Weirder - Das Unkraut wachsen hören
Crystal Z Campbell, Ellinor Aurora Aasgaard & Zayne Armstrong, John Smith, Laura Nitsch, Marta Popivoda
11. Feb.–15. März 26
Uglier, Louder, Taller, Weirder – Hearing the Weeds grow / Das Unkraut wachsen hören ist die zweite Ausstellung im Rahmen des Projekts Louder, Taller, Uglier, Weirder – Learning from Weeds / Von Unkraut lernen, die das Unkraut aus dem Schatten des Dickichts holt und es ins Zentrum einer neuen Erzählung stellt. Unkraut erscheint hier nicht nur als Untersuchungsgegenstand, Medium oder Metapher, sondern wird zu einem aktiven Prinzip, zu einem selbstbestimmten Adjektiv und Verb. Wir fragen: Wann ist etwas, eine Handlung, ein Zustand „verunkrautet“? Was bedeutet es, aktiv zu „unkrauten“ in Kunst, in Institutionen, in Sprache und im Alltag?
Screening-Programm mit Videoarbeiten von Crystal Z Campbell, Ellinor Aurora Aasgaard & Zayne Armstrong, John Smith, Laura Nitsch, Marta Popivoda
mit einer Schattenintervention von Anaïs Senli & Eduardo da Conceição
Woche 1
11.2.-15.2.2026
Marta Popivoda
Landscapes of Resistance
HD Video, 95 Min., Serbo-Kroatisch mit englischen Untertiteln, 2021
Landscapes of Resistance zeichnet eine Reise durch die Erinnerungen der antifaschistischen Kämpferin Sonja (97) nach, einer der ersten Partisan*innen in Jugoslawien, die auch zu den Anführer*innen der Widerstandsbewegung in Auschwitz gehörte. Der Film lässt ihre Geschichte durch die Zeit zu einer neuen Generation von Antifaschist*innen wandern und suggeriert, dass es immer möglich ist, Widerstand zu denken und zu praktizieren.
Wie kann eine Landschaft sprechen?
Es ist, als würde man sich fragen, ob das Gras, die Grillen
oder der Teich nur Kulisse für Ereignisse sind
oder ob sie mit Ihren Schatten, ihrer Tiefe und ihren Geräuschen
Teilnehmende an den Ereignissen sind
und darauf warten, zu Erzählenden zu werden
Marta Popivoda ist Filmemacherin, Künstlerin und Forscherin. Den Fokus ihrer Arbeit bilden die Spannungen zwischen Erinnerung, Geschichte und Ideologie sowie die Beziehungen zwischen kollektiven und individuellen Körpern, die sie aus einer feministischen und queeren Perspektive betrachtet. Sie nutzt Landschaftsdramaturgie, feministisches Storytelling und Prinzipien radikaler Langsamkeit, um Szenen antifaschistischer und ökofeministischer Erinnerung zu schaffen.
Woche 2
16.2.-22.2.2026
Crystal Z Campbell
Makahiya
Digital Video, 10:23 Min., Englisch, 2024
Makahiya, ein Wort aus dem Tagalog, das „Scham“ oder „Schüchternheit“ bedeutet, ist ein kurzer Experimentalfilm, der auf den Philippinen gedreht wurde – dem Herkunftsland der Vorfahren von Crystal Z Campbells Mutter. Der Film führt durch tropische Landschaften und folgt einer empfindsamen Pflanze (Mimosa pudica), die Berührung und Wahrnehmung mit Kolonialgeschichte, Landschaft und archivalem Gedächtnis im Nachhall von Katastrophe und US-Militarisierung verwebt.
Crystal Z Campbell ist Künstler*in, Filmemacher*in und Autor*in und nutzt Zeit als Material. Campbells Werke beschäftigen sich mit dem Unbeliebten – Menschen, Orten und Dingen, die mehr Aufmerksamkeit verdienen. Inspiriert von Archivmaterial, historischen und persönlichen Erinnerungen manifestieren Campbells Werke in verkörperten Formen, taktilen Stücken und Werken, die über Berührungen hinausgehen.
Woche 3
23.2.-1.3.2026
Ellinor Aurora Aasgaard & Zayne Armstrong
Los Tres Puntos
SD Video, 45 Min., Englisch, Deutsch, Spanisch mit englischen Untertiteln, 2025
Marlie, die an der Rezeption eines Berliner Hostels arbeitet, moderiert einen aufstrebenden Astrologie-Podcast namens Astrosapiate. Nachdem sie von einem bedrohlichen T-Rex geträumt hat, ist sie überzeugt, dass ein Steinbock bald ihr Leben und die Zahl ihrer Zuhörer*innen verändern wird. Als ein labiler Anrufer namens Celeb anruft, nutzt sie das Drama zur Unterhaltung, nur um dann zu erkennen, dass sie ihren Traum möglicherweise völlig falsch gedeutet hat. Ein ehemaliger Gast, den sie einst falsch beraten hat, kehrt zurück, um sie zu verklagen, und stellt eine neue Form der Neurodiversität vor: die Fähigkeit, die „drei Punkte” einer SMS zu hören, während sie getippt werden. Das satirische Melodram untersucht, wie finanzielle Unsicherheit Menschen in ethische Grauzonen drängt, insbesondere wenn sie mit Kräften konfrontiert sind, die buchstäblich zwischen den Zeilen lesen können.
Ellinor Aurora Aasgaard & Zayne Armstrong gemeinsame Praxis basiert auf der Produktion eines seriellen „Seifenoper“-Videoprojekts namens „Days“, an dem zahlreiche andere Künstler*innen beteiligt sind und das sich satirisch dem Neoliberalismus widmet. Die romantischen Tropen des Seifenopern-Genres werden in doku-dramatische Geschichten über emotionale, unbezahlte und abstrakte Arbeit adaptiert.
Woche 4
2.3.-8.3.2026
John Smith
Being John Smith
HD Video, 27 Min., Englisch mit englischen Untertiteln, 2024
In Being John Smith reflektiert der Künstler über die Last und Ironie, einen der generischsten Namen der englischen Sprache zu tragen. Mit seinem typischen Witz verfolgt Smith die Ursprünge seines Namens und wie sich seine eigenen Gefühle diesem gegenüber entwickelt haben. Der Film verbindet persönliche Fotos, gefundene Bilder und Material aus dem Internet, um das Intime und das Unpersönliche miteinander zu verweben. Obwohl autobiografisch, betont Smith, dass das Werk nicht egozentrisch, sondern allgemein nachvollziehbar ist. Durch seine Reflexionen über Familie, Selbstzweifel und den Zustand der Welt bietet der Film letztlich ein Porträt der Ängste, die Menschen für gewöhnlich teilen.
John Smith studierte am North-East London Polytechnic und am Royal College of Art und wurde anschließend aktives Mitglied der London Filmmakers‘ Co-op. In seinen prägenden Jahren inspiriert von Konzeptkunst und strukturellem Film, faszinierte ihn auch die immersive Kraft von Erzählungen und gesprochenem Wort, was die Grundlage für sein vielfältiges Werk bildete, das er in den letzten fünf Jahrzehnten entwickelt hat.
Woche 5
9.3.-15.3.2026
Laura Nitsch
Violett
4K Video, 29 Min., Englisch / Deutsch mit englischen Untertiteln, 2022/2023
Violett widmet sich den historischen Verbindungen von Armut und Queerness im öffentlichen Raum. Ausgehend von der körperlichen Praxis des Cruisings bewegt sich der Film durch verschiedene Zeiten, Materialien und archivarische Lücken und folgt Formen des Begehrens, die sich informell, widerständig und oft unsichtbar Raum aneignen. Historische Gerichtsakten aus dem sozialistischen Roten Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts dienen als Ausgangspunkt der Arbeit. Sie verweisen auf Repression und Stigmatisierung von queeren/lesbischen Arbeiterinnen aber auch auf Aufsässigkeit und widerständige Handlungsspielräume queerer und proletarischer Lebensrealitäten. Indem sich in Violett Archivfragmente, Animation, Sound und Performance verbinden entsteht eine hybride Gegenerzählung, in der sich Beobachtung, Erinnerung und spekulative Gesten überlagern.
Laura Nitsch folgt den Spuren der Ungehorsamen, Hartnäckigen und unerwartet Witzigen in queeren Sehnsüchten und Erfahrungen der Arbeiterklasse. Angezogen von Geschichten, die sich weigern zu verschwinden, arbeitet sie mit Film, Schrift und Erinnerungsfetzen. Ihre Praxis bewegt sich zwischen Beobachtung und Spekulation und verfolgt, wie Widerstand Gestalt annimmt und wie andere Arten von Ökonomien und Beziehungen entstehen können.
Begleitprogramm
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Filmvorführung: Zwischen Erinnerung und Hoffnung - die Gebärdensprache in Kafr Qasim
Meyad Sarsour-Ndaye sowie Dirar Kalash & Robert Yerachmiel Sniderman
14. Feb. 26, 17.00–19.00 Uhr
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Berlin-Premiere: Los Tres Puntos
Ellinor Aurora Aasgaard & Zayne Armstrong
23. Feb. 26, 19.00–21.00 Uhr
Louder, Taller, Uglier, Weirder - Learning from Weeds / Von Unkraut lernen
„Viele sagen, dass Unkraut invasiv ist. Seine Invasion besteht darin, dass es da ist und existieren will. Diese Vorwürfe kommen in der Regel von denen, die den ganzen Platz für sich allein einnehmen wollen.“
„Unkraut verkörpert die Widersprüche des Lebens, gedeiht dort, wo es unerwünscht ist, und steht für Herausforderungen, die es anzunehmen gilt, anstatt sie zu beseitigen.“
„Was und wen wir als Unkraut oder ‘unkrautartig’ wahrnehmen, ist immer abhängig von Zeit und Raum. Dies sagt immer mehr über ‘uns’ aus als über das Unkraut selbst.”
“Was sich der Nützlichkeit verweigert, erschüttert die Ökonomien, die den Wert des Lebens an Produktivität fesseln möchten.”
Uglier, Taller, Weirder – Hearing the Weeds grow / Das Unkraut wachsen hören ist die zweite Ausstellung im Rahmen des Projekts Louder, Taller, Uglier, Weirder – Learning from Weeds / Von Unkraut lernen, die das Unkraut aus dem Schatten des Dickichts holt und es ins Zentrum einer neuen Erzählung stellt. Unkraut erscheint hier nicht nur als Untersuchungsgegenstand, Medium oder Metapher, sondern wird zu einem aktiven Prinzip, zu einem selbstbestimmten Adjektiv und Verb. Wir fragen: Wann ist etwas, eine Handlung, ein Zustand „verunkrautet“? Was bedeutet es, aktiv zu „unkrauten“ in Kunst, in Institutionen, in Sprache und im Alltag?
Nach dem Projektauftakt bei Xanadu in Neukölln sowie der ersten Ausstellung im Herbst 2025 in der kommunalen Galerie Kunstraum Kreuzberg/Bethanien wird das Projekt nun in der Galerie im Turm fortgeführt. In den kommenden Monaten folgen weitere Präsentationen in zwei weiteren kommunalen Galerien: im Bärenzwinger in Berlin-Mitte sowie in der Galerie im Körnerpark in Neukölln.
Team
Kuration: Anaïs Senli, Lorena Juan, Sonia Fernández Pan, Syvia Sadzinski
Produktionsleitung: Carlos Busquets
Grafikdesign: Tessa Curran & Studio Kitschen
Aufsicht: Hassan Elmalik, Daniela Schoppe & Team
Mit Unterstützung von den Direktorinnen der Galerie im Turm, Frances Breden & Carlotta Gonindard Liebe.
Uglier, Louder, Weirder – Hearing the Weeds grow / Das Unkraut wachsen hören ist der zweite Teil einer Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe, die in mehreren Berliner kommunalen Galerien in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Neukölln stattfindet. Ermöglicht durch Mittel der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt: Spartenoffenen Förderung, Fond für Kommunale Galerien (KOGA) und Fonds für die Ausstellungsvergütungen für Bildende Künstler*innen (FABiK).