COSMIC GIRLBOSS

Margarita Athanasiou, DLBLR, Emily Hunt, & Salesforce Child

26. März–17. Mai 26

Eröffnung: 25. März, 18 Uhr

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Hier, im Herzen des kapitalistischen Westeuropas, wird uns Erfüllung durch unser ökonomisches Potential versprochen: dass uns ein Traumjob und ein finanzielles Polster befreien werden. Doch während die politische und wirtschaftliche Instabilität, die wir in den globalen Süden und Osten exportiert haben, nun an unsere eigene Tür klopft, beginnt dieses Dogma der individuellen Optimierung zu zerbröckeln.

Hier kommt die COSMIC GIRLBOSS ins Spiel. Sie begreift systemische Krisen als spirituelle Prüfungen des Universums, die sie dazu auffordern, materielle Sicherheit noch stärker zu “manifestieren”. Verliert sie ihren Job, gründet sie keine Gewerkschaft, sondern lädt ihre Kristalle auf und bittet ihre Tarot-Karten um den richtigen Weg. Sie ist der ultimative Unternehmergeist.

Diese Ausstellung versammelt Künstler*innen, die sich spielerisch und liebevoll mit genderspezifischem spirituellem Unternehmertum und dessen historischen, politischen und technologischen Kontexten auseinandersetzen. Emily Hunt bietet uns Talismane an, um durch neoliberale Systeme zu navigieren, und ermöglicht der GIRLBOSS, tatsächlich mit dem großen Geheimnis des Kosmos in Berührung zu kommen. Das Künstler*innenduo DLBLR unterläuft und reklamiert die kulturelle Aneignung und Kommerzialisierung spiritueller Praktiken in der Popkultur. Salesforce Child schafft eine neue Religion aus den Schrecken des Smartphone-Bildschirms und der nackten, rasenden Anbetung des reinen Kapitals, die dieser ermöglicht. Margarita Athanasiou liefert eine phantastische, historische Perspektive auf die Beziehung zwischen Faschismus, Okkultismus und dem Internet.

Das spirituelle Unternehmertum der COSMIC GIRLBOSS eignet sich besonders gut für digitale Plattformökonomien wie TikTok und Instagram. Kostenpflichtige Tarot-Lesungen und algorithmisch bestimmte Horoskop-Apps boomen, oft gezielt vermarktet an Frauen* und queere Menschen. Der Begriff „GIRLBOSS” selbst ist ein sexistisches Produkt des Internets der 2010er Jahre und beschreibt Unternehmerinnen, die ihre hyperkapitalistischen Ambitionen unter einem Anstrich von Pop-Feminismus tarnen. Die archetypische GIRLBOSS muss kein „Girl“ sein, und sie ist tatsächlich nur sehr selten ein Boss, aber ihr rastloses Streben nach Geld ist geprägt durch eine genderspezifische finanzielle Prekarität.

Diese Ausstellung erkennt die Wirkmacht der COSMIC GIRLBOSS an und zeigt, wie ihre spirituellen Strategien dabei helfen, der Volatilität unserer zerfallenden Wirtschaftssysteme standzuhalten. Gleichzeitig weist sie behutsam darauf hin, dass es in ihrem und unserem heutigen spirituellen Leben noch mehr stecken muss.

Begleitprogramm

Über die Künstler*innen

Margarita Athanasiou  ist eine Künstlerin und Organisatorin mit Sitz in Athen, Griechenland. Ihre Arbeit ist textbasiert, nutzt Collagetechniken und verbindet Autobiografie und Geschichte, um vielschichtige Erzählungen in Form von Publikationen, Videoessays, Drucken, Memes und digitalen Bildern zu schaffen.

 

DLBLR (Delaine Le Bas & László Farkas)

Delaine Le Bas wurde 1965 in Worthing, Großbritannien, geboren. Sie studierte an der St. Martins School Of Art London. Delaine ist eine interdisziplinäre Künstlerin, die Installationen, Performances, Fotografien und Filme schafft. Ihre Arbeiten konzentrieren sich auf Fragen der Identität, der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der Sexualität und der anhaltenden Gewalt und Ausgrenzung gegenüber allen, die innerhalb der Gesellschaft als „die Anderen” wahrgenommen werden.

László Farkas alias Lazlorrobot Homorrobot ist Medienarbeiter, Jumping-Fitness-Trainer, DJ und queerer Roma-Aktivist. Ehemaliger Organisator der Roma-LGBTQI-Wagen bei der Budapest Pride und der Berlin Queer Pride. Gründer, technischer Assistent und Herausgeber mehrerer Kunst- und Medienprojekte im Zusammenhang mit der Roma-, Queer- und Sexarbeiter*innen-Community.

 

Emily Hunts künstlerische Praxis setzt sich kritisch mit der historischen und kulturellen Bedeutung von Ornamenten, magischen Praktiken und grotesken Bildern als Mittel der Subversion und Transgression auseinander. Ihre aktuelle Forschung konzentriert sich auf die Printmedien der Renaissance, insbesondere auf die okkulte Philosophie dieser Zeit und den Archetyp der Hexe, wie er in der Druckkultur der Renaissance dargestellt wird.

 

In Salesforce Childs (Summer Emerald) Gemälden, Videos, Performances, Texten, Zeichnungen und Social-Media-Beiträgen bedient sich Salesforce Child einer eigenwilligen, aber sofort erkennbaren Mischung aus Unternehmenssprache und religiöser Sprache. Ihre Arbeiten spiegeln das semiotische Chaos zeitgenössischer Systeme wider und vermitteln das Gefühl, dass das, was wir aufgebaut haben, uns hinter sich lässt.

Team & Unterstützung

Kuration: Frances Breden

Ausstellungsdesign & Produktion: Carolina Redondo

Kuratorische Assistenz: Fenia Franz

Projektassistenz: Paulina Afonina

Aufsicht: Hassan Elmalik, Daniela Schoepe & Team

Corporate Identity: Polina Zagumenova

 

Die Galerie im Turm ist eine Einrichtung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg.

Gefördert durch den Fonds Präsentation zeitgenössischer Kunst in Berlin der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt, sowie durch den Fonds für Kommunale Galerien und Fonds für Ausstellungshonorare für Bildende Künstler*innen.

Barriereabbau

Alle Videos haben Untertitel auf Deutsch oder Englisch.

Es gibt ein musikalisches Kunstwerk mit ausgedrucktem Songtext.

Es gibt Lesematerialien auf Deutsch und Englisch.

Ein Video ist unten im Keller und ist nur mit Treppen Donnerstags und Samstags erreichbar. Wenn das Dir nicht zugänglich ist, hat die Aufsicht auf Anfrage eine Version auf einem Tablett zu sehen.

Es gibt Informationen zur Ausstellung im Raum auf einfacher Sprache, Deutscher Gebärdensprache, und Braille/Blindenschrift.

Weitere Infos zum Barriereabbau der Galerie sind auf unserer Über Uns Seite zu finden.