Schatten eines Metallkonstrukts auf pixeligen Blau-Grauen Hintergrund

Säulenordnung

Daphne Schüttkemper

28. Mai–19. Juli 26

Eröffnung: 27. Mai, 18 Uhr

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Säulenordnung, eine Einzelausstellung der Künstlerin Daphne Schüttkemper, untersucht, wie Architektur und Kunst im öffentlichen Raum Macht nicht nur abbilden, sondern ausüben.

Schüttkemper greift architektonische Elemente im Stadtbild auf, die Macht symbolisieren, und führt sie in eigene skulpturale Arbeiten über, um ihre Wirkung zu hinterfragen. Im Mittelpunkt steht die Säule: im westlichen Kontext weit mehr als ein tragendes architektonisches Element, ist sie als ästhetisches Symbol allgegenwärtig. Die griechische (klassische) Säulenordnung – dorisch, ionisch, korinthisch – wurde seit der Renaissance zum Maßstab erhoben. Grundlage dafür war die Idealisierung der griechischen Antike als vermeintliche Wiege der Zivilisation. Im deutschen Kontext wurde diese Formensprache besonders wirkmächtig: Vom preußischen Klassizismus bis zu den Monumentalbauten des Dritten Reichs diente sie als architektonische Beglaubigung staatlicher Autorität, als steingewordener Anspruch auf Dauer und Legitimität. Doch die Säule, wie Schüttkemper zeigt, steht kaum von alleine: Diese Ordnung stützt sich auf Gewalt, auf die kulturelle Begründung kolonialer Herrschaft, die nicht-europäische Bevölkerungen als “barbarisch” konstruierte und die europäische Kolonisierung als zivilisatorische Mission legitimierte. 

Ordnung ist in Deutschland nicht nur ein ästhetisches, sondern ein moralisches, ein staatliches Ideal. Sie wird nicht verordnet, sie wird eingeübt, bis sie wie Selbstverständlichkeit wirkt. Schüttkemper lenkt den Blick auf das, was dabei unsichtbar wird: auf Löwen, die als Symbole kolonialer Exotik und Stärke still die Eingänge öffentlicher Gebäude bewachen. Auf Adler, die als nationales Symbol trotz ihrer Geschichte der politischen Instrumentalisierung bis heute Fassaden und öffentliche Räume prägen. Symbole der Herrschaft, so vertraut, dass sie kaum noch wahrgenommen werden. So fraglos präsent, dass es keiner Erklärung zu bedürfen scheint. Doch Normalität ist keine Neutralität. Die Säulen stehen. Unscheinbar und unbewegt.

Begleitprogramm

Über die Künstlerin

Daphne Schüttkemper wurde 1998 in Hannover geboren. 2025 erhielt sie ihr Diplom an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig in der Klasse von Nasan Tur. In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sie sich mit bestehenden Machtstrukturen und deren räumlicher Manifestation. Dabei untersucht sie insbesondere deren visuelle und ikonographische Ausschlussmechanismen. 



Team

Kuration: Carlotta Gonindard Liebe

Ausstellungsgestaltung: Carolina Redondo

Assistenz: Tara Čikara

Grafikdesign: Dani Hasrouni

Aufsicht: Hassan Elmalik, Daniela Schoepe & Team

Unterstützung: Stéphane Bauer, Frances Breden & Sofía Pfister

 

Die Galerie im Turm ist eine Einrichtung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg. Dieses Projekt wird durch den Fonds für Kommunale Galerien sowie den Fonds für Ausstellungshonorare für Bildende Künstler*innen gefördert.